Corporate Governance: Erwartungen – Fallstricke – Best Practices

 

Tobias Atzler, Siemens AG
Ingo Speich, Union Investment
Prof. Dr. Christoph H. Seibt, Freshfields

Corporate Governance ist eines der meist diskutierten Managementthemen – auch in der Forschung. Anspruchsvolle Governance-Strukturen sollen einen geeigneten Rahmen für „Rundum-Qualität“ der Unternehmensführung sichern. Eng damit verbunden ist der langfristige, nachhaltige Unternehmenserfolg. Doch welche Erwartungen haben Investoren an die Corporate Governance von Unternehmen? Und was können Unternehmen in ihrer Kommunikation dazu verbessern?

Tobias Atzler (Siemens) und Ingo Speich (Union Investment) sprachen ausführlich über die Relevanz und Erwartungen an Corporate Governance-Themen im Dialog zwischen Unternehmen und Investoren. Prof. Dr. Christoph (Freshfields) gab ergänzend einen Einblick in die rechtlichen Anforderungen und aktuellen Entwicklungen im Themenfeld.

Eines der zentralen Themen waren die Anforderungen an die Kommunikation des Unternehmens zu Governance-Themen. Sowohl Vergütungsthemen als auch die Zusammensetzung von Vorstand und Aufsichtsrat würden eine transparente, konsistente und häufig auch aktive Kommunikation der Unternehmen erfordern. In der Praxis etablieren sich dafür Instrumente, wie etwa Governance-Roadshows.

Weiterhin wurde intensiv über die Unterschiede der Governance-Systeme im internationalen Vergleich gesprochen. In dem Zusammenhang wurde thematisiert, dass der Druck von aktivistischen Investoren steige, die sich auf spezifisch europäische oder deutsche Schwächen in der Corporate Governance konzentrieren. Im Mittelpunkt stehen dabei „Cooling-off“-Perioden, Diversity und auch das Alter von Aufsichtsräten. Für Gesprächsstoff sorgte dabei auch die im Durchschnitt sinkende Verweildauer deutscher Manager an der Unternehmensspitze.

Schließlich warfen die Podiumsteilnehmer einen Blick in die Zukunft. Dabei kamen insbesondere die sich verändernden Eigentümerstrukturen zur Sprache: die Relevanz von passiven Fonds, Family Offices aus dem In- und Ausland sowie aktivistische Investoren werde weiter steigen und einen Einfluss auf die Kommunikation zu Corporate Governance haben. Dabei bleibt einerseits der Druck auf das dualistische deutsche Governance-System hoch. Hier kann eine weitere Amerikanisierung erwartet werden. Andererseits ist beobachtbar, dass auch im angelsächsischen Raum intensiv über die Stakeholder-Einbindung in Governance-Strukturen nachgedacht wird. Hier kann Deutschland als eher fortschrittlich betrachtet werden.